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Ein Praktikumserlebnis das mir in Erinnerung blieb

Vor ungefähr sechs Jahren, kurz vor Schichtende wurden mein Kollege und ich zu einem schweren Verkehrsunfall bei uns im Streifengebiet gerufen. Wir befanden uns ganz in der Nähe, als wir über Funk zu dem Einsatz beordert wurden. Ich war damals gerade im zweiten Praktikum und somit im 2. Ausbildungsjahr bei der Polizei.

Als wir am Unfallort eintrafen, war die Situation nicht einfach, weil der Unfall an einer sehr stark befahrenen Bundesstraße passierte und ein großes Verkehrsaufkommen war. Nachdem wir uns Übersicht verschafft hatten und auch der Notarzt eintraf, war ich schon sehr erleichtert. Die Unfallverursacherin war schwer verletzt neben ihrem zerstörten Pkw am Boden gelegen und nicht ansprechbar. Sie blutete stark am Kopf und aus dem Mund.

In dieser Situation kümmerten sich schon drei junge Unfallzeugen um das 19-jährige Mädchen. Als ich den Notarzt erblickte, winkte ich ihm sofort zur Verunglückten. Aber der Moment vorher, nichts für die junge Frau tun zu können, war sehr hart für mich. Mein Kollege kümmerte sich um die Unfallzeugen und ich begab zum zweiten beteiligten Pkw. Dort wurde das ältere Ehepaar bereits durch ein weiteres Sanitäter Team versorgt. Das Ehepaar war zum Glück ansprechbar und so konnte ich alle notwendigen Dinge vor Ort mit ihnen erledigen. Sie lagen aber ebenfalls neben ihrem total zerstörten Pkw.

Die schwerverletzte junge Frau wurde mit dem Rettungshubschrauber ins nächste Unfallklinikum nach München geflogen. Das Ehepaar wurde schwerst verletzt ins nächstgelegen Krankenhaus gebracht.

Nachdem wir die Lichtbilder gefertigt und die Unfallstelle vermessen hatten, kam auch schon der von uns verständigte Abschleppwagen für die Pkws. Die Unfallaufnahme war vor Ort für uns somit abgeschlossen.

Nun stand uns der schwerste Part bevor, die Benachrichtigung der Eltern. Für uns war klar, dass wir das persönlich erledigen. Wir nahmen die Handtasche des verunglückten Mädchens und stiegen in unserer Kombi. Die Feuerwehr hat nun auch die letzten Tätigkeiten erledigt und war am aufräumen.

Meinem Kollegen kannte die Familie des Mädchens und wusste, dass die Verunglückte bereits das zweite Kind ist, das in der Familie einen schweren Unfall hatte. Das erste Kind der Familie, der Sohn, ist bereits mit 12 Jahren durch einen Verkehrsunfall verstorben. Das war ca. 19 Jahre her. Nun mussten wir der Familie sagen, dass man nicht sicher ist, ob ihre Tochter den Unfall überleben wird – Kein leichter Gang!

Wir beide wussten, dass es laut Aussage des Notarztes sehr schlecht um die junge Frau steht. Auf der Hinfahrt war es sehr still im Kombi. Plötzlich klingelte das Handy in der Handtasche der Verunglückten neben mir. Mein Kollege und Ich versuchten es zu ignorieren, es gelang aber nicht.

Bei der Ankunft am Wohnhaus der Eltern, kam uns schon die Mutter entgegengelaufen. Sie schrie zu uns mit den Händen im Gesicht: „ Bitte sagt mir, ihr kommt nicht zu mir!!“ Und wiederholte es immer wieder. Wir erzählten ihr was passiert war und sie brach zusammen. Ihre Tochter und Nachbarin kamen her und kümmerten sich dann weiter um die Mutter.

Am Morgen des nächsten Tages ist die junge Frau im Krankenhaus an den Unfallfolgen verstorben.

 

Kommentare (2)

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mit dem tod umgehen
eisbaerchen
hi,

vielleicht klingt es blöd, wenn ne 21 jähige schreibt, dass sie auch schon sehr zu kämpfen hatte, menschen verloren zu haben. aber es ist grausam, wenn jemand stirbt und vor allem wenn ihr polizisten diese nachricht noch zu Überbringen habt... ich hab in den letzten 5 monaten einen sehr guten freund durch suizid und eine bekannte ebenfalls dadurch verloren. beide taten es sogar noch auf die gleich weise. es ist manchmal dann gar nicht so einfach, mit dem verlust und den erinnerungen umzugehen... ich hoffe ihr polizisten habt in dem falle dann auch eine professionelle unterstätzung... ihr habt ja noch viel öfter mit so sachen zu tun... und das geht an die substanz... mir hat es geholfen zu reden, viel zu weinen und auch mal abschalten... bis heute hab ich es noch nicht geschafft, auf die gröber zu gehen... wenn jemand hilfe braucht, meldet euch gern bei mir...

glg eisbaerchen
eisbaerchen , 14 02 2009
...
0
Ich habe während meiner BW-Dienstzeit zweimal selbst an solchen "Botengängen" teilgenommen.
Selbst aus der Distanz von mittlerweile über dreißig Jahren habe ich den Schmerz, den ich durch dei Botschaft verursachte, noch nicht vergessen.
Ich hoffe, daß den Beamten professionelle Hilfe gegeben wurde und sie sich nicht, wie ich, "schuldig" fühlen.
MSC , 13 09 2010

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