Seit dem 1. November 1986 gilt für Fahranfänger die zweijährige Probezeit. Mit dieser Bewährungszeit soll der aus Unerfahrenheit und hoher jugendtypischer Risikobereitschaft resultierenden Unfallgefährdung durch den Fahranfänger entgegengewirkt werden. Die Probezeit hat sich bewährt.

Bei der Risikogruppe der jugendlichen Unfallfahrer ist ein deutlicher Rückgang der Auffälligkeits- und Rückfallzahlen im Straßenverkehr erkennbar. Junge Menschen sind besonders häufig an Verkehrsunfällen beteiligt. Gemessen an ihrem Anteil am Straßenverkehr und an der Gesamtbevölkerung weisen sie noch immer ein überproportional hohes Unfallrisiko auf. Hauptursachen sind der Mangel an ausreichender Fahrerfahrung und die altersbedingt ausgeprägte Risikobereitschaft. Dabei fällt die Altersgruppe der 18- bis 25-jährigen besonders ins Gewicht.

Seit dem 1. Januar 1999 gelten für den Fahranfänger individuelle Maßnahmen: die Teilnahme an Aufbauseminaren, die Verlängerung der Probezeit von zwei auf vier Jahre und die verkehrspsychologische Beratung. Diese Hilfestellungen sollen bewirken, dass der auffällig gewordene Fahranfänger die Defizite in seiner Einstellung zum Straßenverkehr erkennt, sein auffälliges Verhalten überdenkt und ändert. Jährlich verlieren 20 000 Fahranfänger ihre Fahrerlaubnis vor Ablauf der Probezeit.

Maßnahmen während der Probezeit

Eine eigenständige Regelung für verkehrserzieherische Maßnahmen in der zweijährigen Probezeit soll zusätzlich die spezialpräventive Wirkung von Eintragungen im Fahreignungsregister (FAER) verstärken. Eine Entziehung erfolgt für Fahranfänger gegebenenfalls deutlich früher im Vergleich zum normalen Fahreignungs-Bewertungssystem. Bei Auffälligkeiten wird die zweijährige Probezeit auf maximal 4 Jahre verlängert.

Unter dem Aspekt der Unfallverhütung wird bei Fahranfängern auf Probe neben dem Fahreignungs-Bewertungssystem eine weitere Bewertung der Eintragung im FAER vorgenommen:

  • bei schwerwiegenden A-Delikten, zum Beispiel:

    • Geschwindigkeitsüberschreitung
    • Fahren unter Drogeneinfluss
    • Missachten der Vorfahrtsregeln
  • bei weniger schwerwiegenden B-Delikten, zum Beispiel:

    • technische Fahrzeugmängel
    • telefonieren mit dem Mobiltelefon ohne Freisprecheinrichtung

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) benachrichtigt unabhängig vom Punktestand die Fahrerlaubnisbehörde beim ersten A- oder nach dem zweiten B-Delikt. Die zuständige Fahrerlaubnisbehörde leitet die entsprechenden Maßnahmen zur Fahrerlaubnis ein.

Seit dem 1. Januar 1999 gelten hierfür drei Sanktionsstufen:

SanktionsstufeVerkehrszuwiderhandlungMaßnahmen der Fahrerlaubnisbehörde
1. Stufe Ein A-Delikt
oder
zwei B-Delikte
Die Teilnahme an einem Aufbauseminar wird angeordnet
und
die Probezeit verlängert sich um zwei Jahre.
2. Stufe Ein weiteres A-Delikt
oder
zwei weitere B-Delikte
Verwarnung
und
die Teilnahme an einer verkehrspsychologischen Beratung wird empfohlen.
3. Stufe Ein weiteres A-Delikt
oder
zwei weitere B-Delikte
Die Fahrerlaubnis wird entzogen.

Bei Fahranfängern erfolgt die Tilgung einer Ordnungswidrigkeit aus dem Fahreigungsregister nicht vor Ablauf der Probezeit.

Quelle: Internetangebot des Kraftfahrt Bundesamts (Stand: 01.05.14)

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